der Alexanderplatz

der Alexanderplatz

Text: Julia Illmer und Massiomo Maio, Foto: Anna-Lena Wenzel

Ausgestattet mit Aufnahmegeräten erforschen Jugendliche bei dem Projekt "Mein Kiez, meine Spuren – Audiowerkstatt" das Leben am Alexanderplatz. Der Ort ist für sie selbst und viele ihrer Interviewpartner einer ihrer Lebensmittelpunkte. Einige von ihnen leben dort. Aus den Gesprächen ist ein Audiowalk mit dem Titel "Blume auf Asphalt – Leben am Alexanderplatz" entstanden, der bei Radio aporee nachgehört werden kann, wenn man dort den Suchbegriff "Asphalt" eingibt. Das Projekt wurde von Julia Illmer und Massimo Maio konzipiert und realisiert. Sie haben auch ein Protokoll des Workshops geschrieben:

Tag 1 / Donnerstag, den 10.10.19 (Julia Illmer)
Mitten in Berlin, auf dem Alexanderplatz, steht ein besprühter Baucontainer. Ein Ort für junge Menschen, die am Alex abhängen oder dort leben – der Jugendaktionsraum (Jara). Heute sitzen einige von ihnen im Container um den Tisch. Sie erzählen davon, warum der Alex in ihrem Leben eine große Rolle spielt. In den nächsten Tagen werden sie selbst Interviews mit Fremden und Menschen, die ihnen nahe stehen, zum Leben am Alex führen. Wir sammeln Fragen, zum Beispiel: Wann warst du das erste Mal am Alex und warum? Warum hängst du am Alex ab? Wie sieht dein Traum-Alex in zehn Jahren aus? Mit Mikrofonen ausgestattet beginnen die Jugendlichen sich gegenseitig zu interviewen.

Tag 2 / Freitag, den 11.10.19 (Massimo Maio)
Noah: Ich würd dir nicht dazu raten, zum Alex zu gehen, weil du in Sachen reinrutscht und irgendwann nicht mehr zur Schule gehst und gar nichts mehr machst.
Smiley: Warum kommst du dann so oft zum Alex?
Noah: Weil ich nicht weiß, wo ich anders hin soll und weil man hier viele Leute kennenlernen kann, auch wenn man keine Freunde hat. Gemeinschaft und Sumpf, anziehend und abstoßend – so wird der Alexanderplatz in unseren Interviews sehr oft beschrieben. Die Kontaktfreudigkeit der Jugendlichen ist jedenfalls deutlich spürbar. Auch heute befragen sie sich gegenseitig, machen Interviews mit anderen Obdachlosen und mit Touristen.

Tag 3 / Samstag, den 12.10.19 (Julia Illmer)
Marc hat ein Interview mit einem Bekannten geführt, der obdachlos ist. Marc: Wer sind die wichtigsten Menschen hier am Alex für dich?
E.: Auf jeden Fall Vatern, lebt unter der Brücke und sehr guter Mann. Hat mich hier angelernt. Das ist Familie halt.
Marc: Würden Sie diese Menschen mehr als Familie bezeichnen als ihre echte Familie?
E.: Ja.
Marc: Also, Familie sind für Sie die, die immer für Sie da sind, auch wenn mal nicht so gute Zeiten sind.
E.: Meine Straßenfamilie. Ja.
Mo, 11/11/2019 - 23:43
Kurzbeiträge

Einwürfe

Gemeinbleiben Ein Brief aus Neapel für das Recht auf Wohnen und eine Urbanität unter weiblichen Vorzeichen.
Für eine löchernde Sanftheit Auf Grundlage der Proteste im spanischen Málaga wird die soziale Transformation von Städten von Kiki Espagna neu gedacht.

Fundsachen

found footage-sculptures Patrick Borchers unterwegs in Neapels Straßen
Dickpic-Galerie Die Journalistin Anne Waak postet a
Mitte Juni (New Orleans) Gibt es den Mississippi River wirklich w

Straßenszenen

Benchmarks A conversation between Bernd Trasberger with Rob Hamelijnck from Fucking Good Art (Rotterdam) on the occasion of Trasbergers exhibition for BETON at Eduard-Müller-Platz in Neukölln, September 2022.   
Fragen des Ortes Laura Strack entwickelt in Bochum Wort-Poesien.
Aus der Zeit gefallene Orte VI: Glasgow Glasgow in den 1980er Jahren.

So klingt

die Europacity Eine Soundcollage von Gilles Aubry dokumentiert das Projekt Am Rand von EuroapCity.
die Getreideverkehrsanlage She is my heart, and everything it embra
eine Gutenachtgeschichte mit den Münchner Stadtsurfer*innen Nach dem Motto: Gemeinsam durch die Eins

So lebt

der Vogel in der Stadt Vögeln-Nistkästen-Modelle für eine bessere Kohabitation
man mit Verlusten Jelka Plate schreibt über Raumverluste
es sich in der Großwohnsiedlung Wenke Seemann entwickelt im Dalog mit den Fotografien ihres Vaters Collagen zu Rostock.