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Wer hat Angst vorm türkischen Mann?

Wer hat Angst vorm türkischen Mann?

Anna-Lena Wenzel; Fotos: Ute Langkafel MAIFOTO

Die Folgen der Ereignisse in Köln und die generelle Stimmungsmache gegen männliche Flüchtlinge haben unangenehme Folgen: für alle diejenigen, die seitdem pauschal zu den Männern gezählt werden, die „unsere“ Frauen begrapschen, belästigen oder gar heiraten wollen.

Im Berliner Ballhaus Naunystraße läuft seit 2014 ein Theaterstück mit dem Titel Süpermänner. Auf der Bühne stehen fünf Schauspieler mit türkischem Migrationshintergrund, die ihre Geschichten erzählen – und von den Konflikten berichten, die sie in Deutschland erleben. Es sind Geschichten von Männern im Dazwischen, von Gewalt und Hilflosigkeit, von Wut und Vergebung. Einige dieser Männer haben ihre Frauen geschlagen, andere wurden selber geschlagen, sind Opfer politischer Gewalt geworden oder schauen hilflos zu, wie sich ihre Kinder radikalisieren. Aber alle hadern mit den unterschiedlichen Erwartungen und Männerrollen, mit denen sie aufgewachsen und mit denen sie heute konfrontiert werden.

 

Die Regisseurin İdil Üner hat für ihr Stück Schauspieler ausgewählt, die sich regelmäßig in der 2007 gegründeten Selbsthilfegruppe Aufbruch Neukölln für Männer und Väter mit türkischem Migrationshintergrund treffen. Es handelt sich also nicht um professionelle Schauspieler, auch wenn einige von ihnen schon mal auf der Bühne standen. Aber sie erzählen ihre Geschichten und das macht sie glaubwürdig. Hört man die einzelnen Biografien wird das Dazwischen greifbar, in dem sich diese Männer bewegen, aber auch, wie sich Sprachlosigkeit und Gewalt von Generation zu Generation fortsetzen.

 

Was sie bedrückt: dass sie keine Sprache für ihre Gefühle haben; dass sie kriminell wurden; dass sie ihre kleinen Kinder in der Türkei bei den Verwandten gelassen haben als sie in Deutschland arbeiteten; dass ihr Verständnis von Familie, das viel mit Respekt zu tun hat, wenig Respekt erfährt und ihr Glaube Angst einflößt. Es wird deutlich, wie mühsam es ist, sich für sein „Anderssein“ permanent rechtfertigen zu müssen. Warum wird bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr nicht darauf geachtet, dass es Gerichte ohne Schweinefleisch gibt?, fragt zum Beispiel Tarkan Bruce Lohde, der als Sohn deutsch-türkischer Eltern in Berlin geboren wurde und für die Bundeswehr in Afghanistan gedient hat.

 

Die Männer in diesem Stück haben versucht, einen Umgang mit ihrer Gewalt und ihren negativen Erfahrungen zu finden. Am Ende des Stückes stehen sie gemeinsam –Hand in Hand– auf der Bühne und bitten um Vergebung. Aber es ist keine generelle Entschuldigung so zu sein, wie sie sind und es ist auch keine Entschuldigung für die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht. Es ist vielmehr eine persönliche Geste. Das passt zu dem Stück, dass mithilfe dieser widersprüchlichen Biografien Einblick gibt in die oft schmerzhaften Wechselwirkungen von Hilflosigkeit und Gewalt, Ausgrenzung und Abgrenzung.

Fr, 05/06/2016 - 11:36 -- hannes
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