heimwege

heimwege

Bilder: Achim Hoops, Text: Peter Piller (2004)

Für ACHIM HOOPS

 

vor dem bild ist immer die fähigkeit, eine bildwürdige situation zu erkennen.

diese aufmerksamkeit ist keine suche, eher eine art künstlerischer bereitschaftsdienst.

auf dem heimwen die augen offen. zu fuß, dann in sichtweite plötzlich der taxistand, der zwei oder drei gelbe rechtecke im dunkeln ist.

 

die künstler zu fragen, warum sie ihre kunst überhaupt hergestellt haben, ist eine berechtigte frage, auf die leider viele künstler nur stammelnd zu antworten wissen. das müssen sie in der regel auch nicht, denn andere antworten für sie.

bei manchen künstlern aber stellt sich die frage nicht, denn den kunstwerken ist deutlich anzusehen, warum sie hergestellt wurden. es ist etwas sichtbar gemacht in diesen bildern, was im alltag zwar nicht verborgen ist, aber wie im falle der bilder von achim hoops, gewöhnlich übersehen wird.

 

was ist das denn hier?

zeichnungen in schuhkartondeckel, mit buntstiften, mit schraffuren gearbeitet flächen: alles streng verboten an kunsthochschulen, wenn der kunsthochschullehrer hoops sich das erlaubt, dann um sich im allerbanalsten winkel an innenbilder zu wagen, mit fühlung zum kitsch und furchtlos an dieser empfindlichen stelle.

wir sehen städtische situationen, oft bei nacht, auf die ein scheinbar absichtsloser blick gerichtet ist.

das wachpersonal, das ein bürogebäude nachts umläuft, kann und darf so nicht sehen, mit einem blick, dem man ansieht, dass er nichts sucht.

eher der heimkehrer als das liebespaar in seiner arglosigkeit.

in der großen leerstelle einer ausgeleuchteten fläche scheint im sichtbaren etwas verborgen, nicht im unsichtbaren, hier lauert keine gefahr im dunkeln.

wir befinden uns in farbräumen und nehmen sie als gegeben.

 

in der farbe des kalten zigarettenrauches sich bewegend vor dem abschied etwa und in der erinnerung wird am genauesten die farbe zum bild und die farbe bestimmt den raum.

 

mir kommen häufig geräusche in den sinn bei achim hoops bildern. das "klirren der fahnen" im wind aus hölderlins "hätte des lebens" (gehen sie nachts am autohaus vorbei). die mauern stehen nicht "sprachlos und kalt".

 

zwischen den straßen nachts die singenden reifengeräusche der busse.

 

achim hoops hat mich gelehrt, die 20 minuten zu schätzen, die es dauert, bis der nachtbus endlich kommt.

 

Abbildungen: Achim Hoops, o.T., 2009

 

Mo, 03/02/2020 - 10:23
Kurzbeiträge

Einwürfe

Plakate für mehr Mitgefühl Die Ministerin für Mitgefühl steht in di
Was die Corona-Pandemie mit uns macht Tagebuchzeichnungen von Alex Müller
Was die Corona-Pandemie verändert Notizen von Anna-Lena Wenzel nach der Lektüre von Carlin Emckes Corona-Journal.

Fundsachen

Dickpic-Galerie Die Journalistin Anne Waak postet a
Mitte Juni (New Orleans) Gibt es den Mississippi River wirklich w
Plakat Décollages Die Künstlerin Kirsten Heuschen sammelt Plakate und macht daraus Collagen

Straßenszenen

Köln, Rudolfplatz Ja, hock du mal einen Tag lang
Was es alles so gibt am Kottbusser Damm Neukölln ist von Kreuzberg aus nur über
Walking Cities in Lockdown Ein Interview mit Antonia Low

So klingt

die Getreideverkehrsanlage She is my heart, and everything it embra
eine Gutenachtgeschichte mit den Münchner Stadtsurfer*innen Nach dem Motto: Gemeinsam durch die Eins
Olevano Olevano Romano im Sommer – kurze Klangka

So lebt

es sich in der Großwohnsiedlung ‚Archivdialoge‘ nennt die Künstlerin
man bald in der Ringbahnstraße Wie verändern Neubauten das Stadt- und R
man in Kairo Cairo Notes von Esther Ernst