Rebellinnen zu Fuß
Rebellinnen zu Fuß
Drei Wanderanleitungen

Anneke Lubkowitz
Wandern mit Else Lasker-Schüler und Emmy Hennings
Verlauf dich in einer Stadt, im Idealfall bei Nacht – natürlich nur, wenn du dich sicher fühlst. Nimm eventuell eine Begleitung mit. Gehe besonders schnell. Schaue nicht auf die Straßenschilder. Gehe an einer Kreuzung über die Ampel, die als Erstes Grün wird, oder wechsle an jeder Kreuzung zwischen links und rechts, bis du die Orientierung verloren hast (vorsichtshalber einen Kartendienst auf dem Handy oder einen Stadtplan mitnehmen, damit du am Ende der Wanderung wieder zurückfindest). Vermeide große Einkaufsstraßen, Boulevards und Sehenswürdigkeiten; begib dich auf die Suche nach der »inoffiziellen« Seite der Stadt. Geh dorthin, wo der Putz abblättert und die Ruderalvegetation sprießt. Mach dich vertraut mit dem unerwünschten Grün der Stadtbrachen, das Namen wie »Götterbaum« und »Königskerze« trägt. Wer ist hier unterwegs und wer nicht?
Wandern mit Simone de Beauvoir und Annemarie Schwarzenbach
Folge den Pfeilen ins Ungewisse: Plane eine Route nicht detailliert im Voraus, sondern such dir einen Startpunkt (z.B. einen Wanderparkplatz) und lass dich vor Ort von den Wegzeichen inspirieren. Such dir eine Farbe oder ein Symbol aus, die dir gefallen, und lass dich überraschen, wohin der Weg dich führt. Nimm vorsichtshalber einen Wanderführer, eine Karte oder dein Handy mit Wander-App und ausreichend aufgeladenem Akku mit, um wieder zurückzufinden. Behalte die Uhr im Blick, um mit deinen Kräften haushalten zu können und rechtzeitig den Rückweg anzutreten. Die Übung kann man auch in einer städtischen Umgebung unternehmen und zufällig vorgefundenen Pfeilen und Markierungen oder einer bestimmten Farbe, die man z.B. in Graffiti, auf Werbeplakaten oder in Leuchtreklamen entdeckt, folgen und sich von ihnen den Weg weisen lassen. Dein Ziel hast du erreicht, wenn du an einem Ort bist, an dem du noch nie warst.
Wandern mit Octavia Butler
Geh über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder (jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat) den gleichen Weg. Schärfe deine Sinne, indem du beobachtest, was sich von Mal zu Mal ändert. Notiere den Jahreszyklus der Pflanzen – von der ersten Knospe über die Früchte zum Verfärben und Abfallen der Blätter. Sofern du in Mitteleuropa unterwegs bist: Erkennst du jede der zehn phänologischen Jahreszeiten, die das Jahr nach den Erscheinungen in der Pflanzenwelt gliedern – vom Vorfrühling mit Erlen- und Haselnussblüte über den Frühsommer mit Holunder- und Robinienblüte bis zur Vegetationsruhe im Winter? Vergleiche die Daten von Jahr zu Jahr. Wer möchte, kann die Daten auch für den Deutschen Wetterdienst sammeln, der immer ehrenamtliche Mitarbeiter:innen sucht. Beobachte unterwegs Wetter, Licht und Leute und bring von jedem Spaziergang etwas nach Hause zurück: eine Kastanie, eine Notiz, einen Gedanken. Lege ein Archiv deiner Wanderungen an.
Ziziert aus: Anneke Lubkowitz, Rebellinnen zu Fuß, Copyright © 2025 by Kein & Aber AG Zürich - Berlin
Verlauf dich in einer Stadt, im Idealfall bei Nacht – natürlich nur, wenn du dich sicher fühlst. Nimm eventuell eine Begleitung mit. Gehe besonders schnell. Schaue nicht auf die Straßenschilder. Gehe an einer Kreuzung über die Ampel, die als Erstes Grün wird, oder wechsle an jeder Kreuzung zwischen links und rechts, bis du die Orientierung verloren hast (vorsichtshalber einen Kartendienst auf dem Handy oder einen Stadtplan mitnehmen, damit du am Ende der Wanderung wieder zurückfindest). Vermeide große Einkaufsstraßen, Boulevards und Sehenswürdigkeiten; begib dich auf die Suche nach der »inoffiziellen« Seite der Stadt. Geh dorthin, wo der Putz abblättert und die Ruderalvegetation sprießt. Mach dich vertraut mit dem unerwünschten Grün der Stadtbrachen, das Namen wie »Götterbaum« und »Königskerze« trägt. Wer ist hier unterwegs und wer nicht?
Wandern mit Simone de Beauvoir und Annemarie Schwarzenbach
Folge den Pfeilen ins Ungewisse: Plane eine Route nicht detailliert im Voraus, sondern such dir einen Startpunkt (z.B. einen Wanderparkplatz) und lass dich vor Ort von den Wegzeichen inspirieren. Such dir eine Farbe oder ein Symbol aus, die dir gefallen, und lass dich überraschen, wohin der Weg dich führt. Nimm vorsichtshalber einen Wanderführer, eine Karte oder dein Handy mit Wander-App und ausreichend aufgeladenem Akku mit, um wieder zurückzufinden. Behalte die Uhr im Blick, um mit deinen Kräften haushalten zu können und rechtzeitig den Rückweg anzutreten. Die Übung kann man auch in einer städtischen Umgebung unternehmen und zufällig vorgefundenen Pfeilen und Markierungen oder einer bestimmten Farbe, die man z.B. in Graffiti, auf Werbeplakaten oder in Leuchtreklamen entdeckt, folgen und sich von ihnen den Weg weisen lassen. Dein Ziel hast du erreicht, wenn du an einem Ort bist, an dem du noch nie warst.
Wandern mit Octavia Butler
Geh über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder (jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat) den gleichen Weg. Schärfe deine Sinne, indem du beobachtest, was sich von Mal zu Mal ändert. Notiere den Jahreszyklus der Pflanzen – von der ersten Knospe über die Früchte zum Verfärben und Abfallen der Blätter. Sofern du in Mitteleuropa unterwegs bist: Erkennst du jede der zehn phänologischen Jahreszeiten, die das Jahr nach den Erscheinungen in der Pflanzenwelt gliedern – vom Vorfrühling mit Erlen- und Haselnussblüte über den Frühsommer mit Holunder- und Robinienblüte bis zur Vegetationsruhe im Winter? Vergleiche die Daten von Jahr zu Jahr. Wer möchte, kann die Daten auch für den Deutschen Wetterdienst sammeln, der immer ehrenamtliche Mitarbeiter:innen sucht. Beobachte unterwegs Wetter, Licht und Leute und bring von jedem Spaziergang etwas nach Hause zurück: eine Kastanie, eine Notiz, einen Gedanken. Lege ein Archiv deiner Wanderungen an.
Ziziert aus: Anneke Lubkowitz, Rebellinnen zu Fuß, Copyright © 2025 by Kein & Aber AG Zürich - Berlin